Unheilige Videos - DIE RHEINPFALZ - Nr. 146 vom 27.06.2009

Bei Filmaufnahmen mit dem bekannten Regisseur, Autor und Komponisten Hanns Christian Müller und der aufstrebenden bayrisch-österreichischen Band "Heilig"

Mit diesem Papst stimmt etwas nicht. Er spielt E-Gitarre, trägt Lagerfeldzöpfchen mit Herzchengummi unter der Mitra und außerdem lackierte Fingernägel, lacht pervers mit korallenrotem Mund. Der "Papst" alias Musiker Ron Evans ist einer der Akteure des Videoclips zum Song "Apfelbam" (Apfelbaum) der bayrisch-österreichischen Band "Heilig". Regisseur Hanns Christian Müller ("Kehraus", "Man spricht Deutsch") hat jetzt fünf Clips zu dem neuen Album gedreht. RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Astrid Dornbrach war dabei.

Eine vielschichtige, manchmal verwirrende (Bild-)Geschichte erzählt der Clip zu "Apfelbam". Es geht darin um die Auseinandersetzung mit Gott: Gibt es ihn wirklich und wenn ja, wo ist er denn? Der Text ist bissig, ironisch, provokant und genauso soll auch das Video werden. Mit der Frage nach der Existenz Gottes setzt sich vor allem Sänger Pauli Paulitsch leidenschaftlich auseinander. In allen fünf Videos hat er den Löwenanteil szenischer Gegenwart, um ihn herum sind sämtliche Geschichten aufgebaut. Glücklicherweise - und das ist nicht selbstverständlich - verfügt der Österreicher aus der Steiermark über enorme darstellerische Qualitäten und ein extremes Temperament: Er beherrscht den Blick des lässigen Dämons, des zynischen Vampirs aber auch den traurig-verlorenen Ausdruck des verlassenen Liebhabers. Und manchmal - so wie im letzten Clip - überkommt ihn auch ganz einfach der Wahnsinn - auf Regie-Anweisung. Für den Clip zu "Des liegt net an mir" wird er mit Zwangsjacke in einen Rollstuhl gezwängt. Ludwig (Wiggi) Raab, Gitarrist, Komponist und Texter der Band, gibt mal den kühlen Erzengel und dann wieder den aalglatten Aufreißer mit schwarzer Sonnenbrille und Jackett.

Auch die anderen Band-Mitglieder werden darstellerisch eingesetzt: Als Nonnen, Mönche oder groteske Gestalten mit auftoupierten Haaren und kohlschwarzen Augenringen, wie aus einer Grusel-Komödie. "Ich fand die Nummer so schräg, dass ich unbedingt ein Video daraus machen wollte", sagt Müller über den Song "Apfelbam". Die Bilder sollten dem zynischen Text dabei in nichts nachstehen. Aus den 20 Songs der dritten "Heilig"-CD, "Kapitel drei", habe er die ausgesucht, die sich "am besten visuell umsetzen ließen", sagt der Regisseur.

Im "Apfelbam"-Video werde ich als eine der Evas, die dem "Papst" lasziv mit rotem Apfel den Kopf verdreht, und als Nonne eingesetzt. Ansonsten bin ich dafür zuständig, dass die Musik Punkt genau aus Ghetto-Blaster kommt - sprich - exakt zur Handlung des Clips passt. Wird gerade keine Musik gebraucht, helfe ich dem Requisiteur beim Gestalten der Szenenbilder. Im Klartext heißt das - Betten zu verwurschteln, dass sie nach einer Liebesnacht aussehen oder ein Bad mit Zahnpastatube auf dem Waschbeckenrand und zerknüllten Handtüchern so zu dekorieren, als sei es gerade benutzt worden. Gedreht wird in und um München. Regisseur Müller arbeitet nach Drehbuch und exaktem Konzept, setzt aber auch gerne mal etwas spontan völlig anders um oder stellt es auf den Kopf: "Das ist jetzt versehentlich richtig gut geworden", kommentiert er dann. Wenn er morgens am Set erscheint, ist es mit der Ruhe vor dem Sturm schnell vorbei. Der Mann steht oder sitzt keine Minute still, eigentlich bewegt er sich nur im Laufschritt vorwärts, wobei die Arme rudernd in der Luft kreisen. Klar, dass sich diese Dynamik auf das Team überträgt. Mal schaut sich Müller die Szene aus der Sicht der beiden profilierten Kameramänner, James Jacobs und Wolfgang Seibert an, ein anderes Mal demonstriert er dem Papst - Evans ist ein alter Musiker-Kollege Müllers - wie er die E-Gitarre halten oder mit welchem Schwung sich Sänger Pauli über ein Gartenzaun manövrieren muss.
Selbst Musiker und Komponist hat der Münchner sämtliche Stücke der Band im Kopf, weiß auf die Sekunde genau, in welche Clip-Szene welche Textzeile gehört. Mit Musik-Videos hat Müller reichlich Erfahrung, hat er doch mehrere Video-Clips der "Toten Hosen" gedreht, für die er unter anderem bei den Songs "Sascha" und "Zehn kleine Jägermeister" mitarbeitete.

Obwohl man - von außen betrachtet - den Eindruck eines totalen Chaos gewinnen könnte, läuft alles nach Plan. Die Videos werden an diesen fünf Tagen nicht chronologisch gedreht, sondern nach der Erreichbarkeit und Nähe der einzelnen Drehorte. Und die sind manchmal ganz schön schräg - manchmal aber auch einfach nur schön: Die Halle eines alten Schlosses, ein Gewächshaus, eine düstere Kellerkneipe, irgendwo im Hinterland Münchens oder die renommierte "Lach- und Schießgesellschaft" im Herzen Schwabings. Abenteuerlich ist es, mit dem Drehteam im Corso mit sieben bis acht Autos hintereinander quer durch München zu fahren.(ad)

CD-HINWEIS
Erscheinen wird die CD "Heilig - Kapitel drei" im Spätsommer. Die Songs der fünfköpfigen Combo sind meist klarer, griffiger, unverstellter Rock, manchmal auch bluesig-verträumt - und gelegentlich kommen sie auch mal mit pompösen Bigband-Sound daher. Darauf zu sehen sein werden die fünf Clips als DVD, in drei verschiedenen Versionen. Info: www.heilig.biz.

Sonny's Rock & Metal Heaven - www.sonny1968.de - vom 06.06.2005

Review:
"Scheinh€ilig" ist bereits das zweite Album des bayrisch-steirischen Sechszylinders und ist die konsequente Fortsetzung von "Die 1ste". Erneut hat Harmoniegitarrist, Songwriter & Produzent Wiggi Raab seine Mitmenschen genau beobachtet und seine Erfahrungen in humorvolle – teils makabere – aber stets treffsichere Texte und fetzige Rockmusik gepackt, die den perfekten Nährboden für den steirisch-rotzigen Dialekt von Sänger Paul Paulitsch bilden. Zu den Bigband-Sounds, die schon auf dem Debüt eine Art von roten Faden erkennen ließen, gesellen sich diesmal auch vereinzelt rhythmische Reggae- ("16 Johr Oid"/ "Für Uns 2") und Southern Rock-Elemente ("Cowboy") hinzu. Unter den 17 (!) Nummern auf "Scheinh€ilig" befinden sich diesmal mit der unterhaltsamen Interpretation der KINKS-Klassikers "Lola" und dem griffig-genialen Rocker "Steig Ei" ("Jump In My Car"/ TED MULRY BAND) lediglich zwei Fremdkomposition, die sich nahtlos ins eigene Material einfügen. Von den zahlreichen Eigenkompositionen drängen sich in erster Linie das lässig cruisende "Olles Perfekt", die Hammer-Groover "Gas Geb’n Und Durchknoin" (AC/DC lassen grüßen) oder "Du Kriagst Nia Des..." und die romantische Ballade "Unsterblich", die durch das sprudelnde Piano- bzw. geschmeidige Orgelspiel von Renate Dienersberger erfischende Akzente setzen, auf. Wer sich von dieser rotzigen, aussagekräftigen und unterhaltsamen Rock-Scheibe, die mit einer druckvollen Produktion gekrönt wird, nicht mitreißen lässt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. – Über eine Stunde bayrischer Rock ’N’ Roll auf Top-Niveau!

Sonny's Rock & Metal Heaven - www.sonny1968.de - vom 19.05.2003

Review:
Zwar hat das Debüt der Münchener, das ich erst kürzlich durch einen glücklichen Zufall entdeckt habe, schon mehr als drei Jahre auf dem Buckel, aber mit ihrer bodenständigen, ehrlichen und mitreißenden Mischung aus Rock ’N’ Roll, Blues und Soul ("Mitt’n Im Leben"), die über weite Strecken mit fetzigen Big Band-Elementen aufgefrischt wird, gehen mir die Herrschaften (inklusive Tastendirndl Renate Dienersberger) um Sänger Pauli Paulitsch seit Wochen derart unter die Haut, sodass ich nicht umhinkomme den Silberling nun im Nachhinein als „Mundart-Tipp“ zu präsentieren. Unter dem Dutzend Nummern befinden sich neben würzigen Eigenkompositionen wie dem Groover "Schwarzer Engel", dem Rotzrocker "Wunder", der wie eigentlich jeder der Songs mitten aus dem Leben gegriffen ist, oder "Bleib Bei Mir", das mit AC/DCschem Groove ausgestattet ist, auch eine Handvoll uriger Covernummern. So hat Harmonie-Gitarrist und Produzent Wiggi Raab z. B. ROBERT PALMERs "Addicted To Love" ("Süchtig") oder "Rip That Joint" von den ROLLING STONES ("Drah An Joint") mit bissigen – stellenweise selbstironischen – bayrischen Texten versehen. Als wahre Geniestreiche und Ohrwürmer erweisen sich dabei das röhrende "I" (hier wird PETER MAFFAYs Schmachtfetzen "Du" ordentlich aufs Korn genommen!) sowie die Kultnummer "Helden" (im Original von DAVID BOWIE) und die Austro Pop-lastig schleichende "Rabenschwarze Katz". Fazit: HEILIG ist die perfekte Symbiose aus steirischem Charme und bayrischer Urkraft – Mundart Rock wie er nicht besser sein könnte.

Home of Rock - das Rockmagazin - 10.012004

www.home-of-rock.de/Konzertberichte/Heilig/Muenchen_10_01_2004.html

Home of Rock - das Rockmagazin - 24.10.2003

www.home-of-rock.de/CD-Reviews/Heilig/Die_1.html

HEILIG "Die 1." (Pegasus 88806) – VÖ: 12.05.2003, Ludwigsburg, 19.03.2003

Liebe Medienpartner,

in Zeiten der GZSZ-Schnitten und inflationären Castingveranstaltungen möchten wir Ihnen heute nichtsdestotrotz die Münchener Rockband HEILIG ans Herz legen, die alles hat, was die (Musik-)Welt offensichtlich zur Zeit nicht braucht: Sie sind knapp über 30, keine Boygroup, haben langjährige Bühnenerfahrung, spielen ihre Instrumente selbst, die Songs sind zum größten Teil Eigen-kompositionen in deutscher Sprache (obendrein singt der Sänger in österreichischem Dialekt!)
- und außerdem steckt kein Konzern mit einer gigantischen Marketingkampagne hinter ihrem Projekt.

Trotzdem (oder gerade deshalb) ist HEILIG eine äußerst erfrischende Debüt-LP geglückt, die sie bezeichnenderweise auch "Die 1." nennen - mit Liedern, die automatisch gute Laune verbreiten, durchgehend vom ersten bis zum letzten Titel.

Als anständiger HEILIGer sollte man in der Regel wenigstens 1 "Wunder" vollbracht haben, was ihnen mit dem gleichnamigen Song vortrefflich gelungen ist, doch werden HEILIGe bisweilen auch von dem ein oder anderen sündigen Gedanken heimgesucht (siehe und höre "Drah An Joint" und "Süchtig").

Die Single-Auskopplung mit dem Titel "I", das selbstbeweihräuchernde Lippenbekenntnis eines Rocksängers, ist eine gelungene Parodie des Maffay-Hits "Du" und erscheint am 15.04.2003.

Für den Herbst 2003 ist eine größere Tournee geplant, auf der HEILIG ihre himmlischen Songs auch bundesweit zum Besten geben werden - sozusagen DER HEILIGabend für ihre zahlreichen Jünger; obwohl bei ihren Auftritten in München und Umgebung eigentlich buchstäblich die Hölle los ist!

Man muss nicht zwingend katholisch sein, um über HEILIG zu schreiben – wir würden uns jedenfalls sehr über Ihre Unterstützung freuen. CD-Cover und Foto erhalten Sie als jpg auf Anfrage oder unter www.sternenpark.de/download/download.html (Benutzername: Redaktion, Kennwort: Information). Falls Sie noch weitere Informationen und HEILIGenbildchen benötigen, rufen Sie uns bitte einfach an (Tel.: 07141/68898-12, Fax: 07141/68898-20, e-Mail: heike.glueck@sternenpark.de).

Beste Grüße

Heike Glück